Pflege verdient mehr Wertschätzung – nicht nur in Corona-Zeiten

Könnte man der Corona-Pandemie etwas Positives abgewinnen, dann vielleicht, dass die Welt plötzlich auf die Menschen schaut, die in der Pflege tätig sind. Fachkräfte in der Pflege sind „systemrelevant“. Neu ist das nicht, nur ist es noch nie so deutlich geworden. Es gibt zu wenig Fachkräfte, auch das wusste man bereits vor dem Ausbruch der Pandemie. „Es herrscht seit Jahren Personalmangel“, sagt Jessika Tirandazi, Geschäftsführerin der Diakonie-Sozialstation in Mannheim. Gleichzeitig wächst die Zahl pflegebedürftiger Menschen deutschlandweit.

Die Diakonie-Sozialstation Mannheim mit insgesamt 57 Mitarbeitenden kümmert sich derzeit um die pflegerische, medizinische und hauswirtschaftliche Versorgung von rund 450 Kund*innen in Mannheim– bei ihnen zu Hause, im gewohnten Umfeld. Zum internationalen Tag der Pflege am 12. Mai zieht die Diakonie-Sozialstation Bilanz. Was hat sich verändert, seit Corona?

„Die Welle der Hilfsbereitschaft Anfang März war wirklich überwältigend“, sagt Geschäftsführerin Jessika Tirandazi. „Externe Fachkräfte, aber auch Kollegin*innen aus anderen Arbeitsbereichen des Diakonischen Werks Mannheim mit entsprechender Ausbildung haben uns in der Sozialstation in dieser schweren Zeit unterstützt“, ergänzt sie. „Die Kund*innen waren und sind schon immer dankbar für unsere Arbeit gewesen. Nun ist es auch mal vorgekommen, dass einer Mitarbeiterin auf offener Straße von Passanten Applaus geklatscht wurde. Das freut mich sehr für die Mitarbeitenden, denn es drückt Wertschätzung für diese Arbeit aus.“

Den internationalen "Tag der Pflege", der in Deutschland seit 1967 immer am 12. Mai, also am Geburtstag von Florence Nightingale stattfindet, sollte Anlass sein, nicht nur den Pfleger*innen für ihre wertvolle Arbeit zu danken, sondern allen Menschen in systemrelevanten Berufen. Vor allem auch, weil die Arbeitslöhne oft vergleichsweise gering sind.

„Vielleicht ist eine Krise auch dafür da, um darüber nachzudenken, was man in Zukunft an den Arbeitsbedingungen in der Pflege ändern und besser machen kann“, sagt Jessika Tirandazi. In der Branche werde schon seit Jahren an der Kapazitätsgrenze gearbeitet, jetzt brauche man eine Entlastung, so Tirandazi weiter. „Ich wünsche mir, dass die Relevanz unserer Arbeit auch nach Corona nicht in Vergessenheit gerät“, sagt Rebecca Gilbert, Pflegedienstleitung der Diakonie-Sozialstation Mannheim. Übrigens: Auch in Zeiten von Corona hat es Rebecca Gilbert noch nie bereut, diesen so wertvollen Beruf ergriffen zu haben.  fek

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