Diakonie bei „JUST FOR FUN – Rausch und Risiko“

Alkoholsucht, Internetsucht oder Glückspielsucht - es gibt verschiedene Formen von Sucht, aber auch etliche Gefahren für den Konsumenten. Grund genug für das Diakonische Werk und die Jugendkirche 2008 ein neues Präventivprojekt ins Leben zu rufen, um Kinder und Jugendliche mit der Materie zu konfrontieren. „Wir wollten die Schüler nicht nur informieren sondern auch befähigen, eine eigene Meinung zu diesem Thema zu entwickeln“, wie Inge Baumgart, seinerzeit bereits Sozialarbeiterin der Suchtberatungsstelle der Diakonie, zur ersten Stunde berichtet. Bereits zum elften Mal wurden auch in diesem Jahr Schulklassen eingeladen, um sich unter dem Titel „Just for Fun“ auf verschiedene Art und Weise mit dem Thema „Sucht“ auseinanderzusetzen. Die Evangelische Jugendkirche Mannheim bildete erneut an zwei Tagen den Hauptveranstaltungsort für über 300 Schüler von Mannheimer Förderschulen, Werkrealschulen, Realschulen und Gesamtschulen der Klassenstufen 7 bis 9. Ein Suchtpräventionsparcours bot die Möglichkeit, in sechs Stationen verschiedene Formen der Sucht kennenzulernen. Über Mitmachaktionen konnten die Schüler so etwa die Auswirkungen und Folgen von Alkohol hautnah erleben. Zum Thema „Glücksspiel“ bot das Diakonische Werk einen Workshop an. Ein ehemals Glücksspielsüchtiger berichtete den Schülern von seinen Erfahrungen.

Verlust von Raum und Zeit, ohne Geld geht gar nichts

Wer kann am Glückspiel teilnehmen, was passiert wenn man dem Glückspiel nachgeht, wird man davon süchtig? Annette Müller, Sozialarbeiterin des Diakonischen Werkes, brachte die 12- bis 16-jährigen Schüler im Laufe des Vormittags in ihrem Workshop mit dem Thema „Glückspielsucht“ in Berührung. „Ich möchte mich im Einstieg mit den Schülern langsam an das Thema herantasten. Die Schüler sollen erkennen, worin der Unterschied zum normalen Brettspiel liegt und wo die Gefahr lauert“, erklärt Müller. Denn beim Glücksspiel gehe es immer um Geldeinsatz, wie sie die Schüler eindrücklich informiert. Über ein fingiertes Glücksspiel versuchten die Schüler deshalb ihre Gefühle, die während des Spiels entstehen, zu reflektieren. „Am Ende entscheidet der Zufall, aber vor allem die Erkenntnis, das Glück nicht in der Hand zu haben“, erklärt Müller weiter. Die Workshop-Teilnehmer sind begeistert, arbeiten eifrig mit, berichten teilweise von eigenen Erfahrungen. „In der 7. und 8. Klasse haben die Schüler meist schon erste Erfahrungen mit dem Suchtmittel und auch Suchtverhalten gemacht. So bleibt es nicht nur bei Information unsererseits, sondern es kommt zum persönlichen Austausch - was durch die kleineren Workshops möglich ist“, resümiert Müller am Ende des Workshops. Spannend wurde es, als ein ehemaliger Glückspielsüchtiger selbst berichtet. Seine Erfahrungen hat er in verschiedenen Rapsongs verarbeitet. Nach über zehn Jahren Sucht kann er heute auf ein suchtfreies Leben blicken. „Ich habe wieder Freunde, viel mehr Zeit und Freude am Leben und an der Musik gefunden“, berichtet er. Die Diakonie half ihm letztlich, sich von der Sucht zu befreien.

Gemeinsam mit der Psychosozialen Beratungsstelle für Suchtkranke des Diakonischen Werkes Mannheim, der Suchtberatung des Caritasverbandes Mannheim und der Selbsthilfegruppe Nova Vita veranstaltete die Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit Baden (ESB) mit Sitz im Evang. Oberkirchenrat in Karlsruhe, das Evangelische Kinder- und Jugendwerk Mannheim und der Fachbereich Jugendamt- und Gesundheitsamt auch in diesem Schuljahr 2018/2019 das Projekt:

„Glückspielsucht“ - Offene Sprechstunde der Beratungsstelle für Suchtfragen

Kontakt, Organisation und weitere Informationen zum Thema „Glückspielsucht“ bietet die Beratungsstelle für Suchtfragen. Von Glücksspielsucht Betroffene sowie Angehörige erhalten Hilfe über eine offene Sprechstunde, eine Terminvereinbarung oder in der offenen Gruppe bei pathologischem Glücksspiel: jeden Donnerstag von 18:00 - 19:30 Uhr, 0621-28000-370 oder psb@diakonie-mannheim.de.

 

Foto: DW/Lammer (JeLa)

[ zurück ]