Prostitution zum Thema machen

Publikum

Fünf Jahre Amalie, fünf Jahre enge Netzwerkarbeit – dieses Jubiläum nahmen die Akteure der Beratungsstelle, dem Diakonischem Werk und der Evangelischen Kirche zum Anlass zurückzuschauen auf eine „bewegte Geschichte“. Gemeinsam mit mehr als 150 geladenen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sozialem, wurde der Geburtstag gebührend gefeiert. Grußworte sprachen Dekan Ralph Hartmann, Julia Wege, Bürgermeister Michael Grötsch und Staatssekretärin Bärbl Mielich. Ein Rahmenprogramm aus Talk und Präsentation des Imagefilms „Den Frauen eine Stimme geben – Soziale Arbeit der Beratungsstelle Amalie“ setzte wichtige Akzente. Geldspenden gab es von der Feudenheimer Frauenfasnacht, den Neckarauer Hexen und Mannheims Sportlegende Harold Kreis und seiner Frau Silvia Lo Parrino-Kreis. Schauplatz bildete das EinTanzHaus, die denkmalgeschützte Trinitatisgemeinde mitten in der den Mannheimer Quadraten.

Julia Wege Bärbel Mielich

„Zutiefst dankbar, die Frauen in ihrem Leid zu erreichen“

Es war ein langer Weg, notwendig aber auch mit einer Dramatik verbunden, die eigentlich keinen Grund zum feiern gäbe, wie Julia Wege in ihrem Grußwort betont. „Ich freue mich für die Frauen und bin deshalb zutiefst dankbar, dass wir sie erreicht haben“, so Wege. „Allen voran gilt mein Dank aber auch der Stadtgesellschaft, allen hier anwesenden Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft, die mit viel Motivation und Unterstützung an das Projekt geglaubt haben.“ Ohne die Einbindung der vielen Einrichtungen, aber auch der Akzeptanz eines tabuisierten Themas, wäre Amalie so nicht möglich gewesen. „Hoher Abstimmungsbedarf mit einer stadtteilbezogenen, aber auch regional und national eingebunden Beratungsstelle, war ausschlaggebend“, so Wege weiter. Auch Dekan Ralph Hartmann betont bei seiner Begrüßung nachdrücklich die Notwendigkeit, auch für unser gesellschaftliches Zusammenleben: „Amalie schaut hin, wo andere wegschauen. Amalie schafft Raum, wo Prostituierte keine austauschbaren Objekte sind, sondern Menschlichkeit erfahren.“

Prostitution kommt hier zur Sprache

Bürgermeister Michael Grötsch spricht seinen Dank und Respekt gegenüber allen Beteiligten aus, trotz vieler Stolpersteine, wie er sagt. „Um sie zu ermutigen, sich weiterhin mit Elan und auch Freude den besonderen Herausforderungen Ihres Tätigkeitsbereiches zu stellen, bei all seiner komplexen Thematik.
„Amalie“ ist ein in Fachkreisen auch über die Stadtgrenzen hinaus geschätzte Einrichtung und die Expertise von Frau Wege und auch ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist bei Politik und Medien gefragt“, so Grötsch. Staatssekretärin Bärbl Mielich, die sich bereits im April dieses Jahres über die Arbeit von Amalie selbst überzeugen konnte, betont in ihrem Grußwort die Strahlkraft und Notwendigkeit, über die Ländergrenzen hinaus. „Sie können stolz auf ihre Arbeit und Leistung sein. Seit nunmehr fünf Jahren beraten und unterstützen Sie und ihr Team Frauen, die der Prostitution nachgehen, in unterschiedlichen Belangen und leisten damit einen ganz wichtigen Beitrag, um Ausbeutung, Zwangsprostitution, sexuellen Missbrauch und Menschenhandel einzudämmen.“

Überzeugungs- und Netzwerkarbeit

Talkrunde

Bis zur Eröffnung von Amalie war es ein langer und schwieriger Prozess, der bis in das Jahr 2009 zurückreichte. Das wissen auch die Beteiligten des Talks „Prostitution in Mannheim – Die professionelle Arbeit der Beratungsstelle Amalie“. Prof. Dr. Achim Weizel, Otto Steinbrenner, die Ehrenamtliche Hanne Kerker, der Regisseur Thomas Sonnenburg und Julia Wege, stellen einstimmig fest, dass Amalie Zufluchtsort für die Frauen in Not, aber auch Türöffner und kompetenter Partner für andere Institutionen der Stadt ist. Mit der Beratungsstelle Amalie mache das Team Prostitution zum Thema.

Die Armutsprostitution habe sich nicht nur bundesweit, sondern auch in Mannheim verschärft und stellte Stadt, Kirche und Diakonisches Werk vor neue Herausforderungen. (JeLa)

 
Fotos: ChrisArtography

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